Über mich

Ich folge dem Ruf der Vorfahren – und erzähle, was zwischen den Jahreszahlen liegt.
Ich schreibe in einem eigenen Rhythmus – offen, leise, vielstimmig.
Mein Auftrag
Mein Weg als Autorin begann nicht allein. Schon immer war ich dabei sozusagen umringt von meinen Vorfahren.
Schon als Kind stand ich staunend vor den Stammbaumzeichnungen meiner Tante – wie Schatzkarten wirkten sie. Die Idee, aus der brasilianischen Ahnenreihe mütterlicherseits ein Buch zu machen, war früh da.
Ein Vetter reiste später nach Brasilien, um weiterzuforschen (und verlor sein Herz an Land und Leute).
Eine Begegnung mit einer Großkusine der väterlichen Linie, eine erfahrene Ahnenforscherin, wurde zum Hallo-Wach-Moment. Sie brachte die ausgiebig recherchierte väterliche Linie in das Puzzle ein. Plötzlich lag eine weiteres Netz von Geschichte aus drei Jahrhunderten und zahllosen Leben vor mir. Das Rufen und Drängen der Vorangegangenen war nun zum regelrechten Getöse geworden.
Der Auftrag war klar:
"Jetzt ist es an dir, unsere Geschichten endlich zu erzählen."
Starke Frauen
Meine Geschichten handeln von Frauen – weil mich ihre Stärke immer wieder fasziniert. Sie zeigt sich nicht als Pose, sondern als Antwort auf das Leben. Sie ist da, wenn sie gebraucht wird. Und genau darin liegt ihre Kraft: leise, unerschütterlich, oft unerkannt.
Diese Stärke wirkt weit. Sie öffnet Räume, in denen auch Männer sich zeigen, sich wandeln, sich erinnern dürfen.
Ich schreibe nicht über Geschlechterrollen – ich schreibe über Menschen, die wachsen, wenn das Leben es verlangt.
Mein Style -
Geboren aus der Auseinandersetzung mit Kulturen
Ich liebe die Sprache – das Lesen, das Schreiben, die Idee der Schrift. Schon als Kind wollte ich Buchstaben entziffern, lange bevor ich wirklich lesen konnte. Für mich war das Lesen ein Inbegriff von Freiheit, und das Schreiben später fast noch mehr – auch wenn mich Regeln manchmal eher gebremst haben und ich sie gern beiseitelasse.
Ich bin Deutsche und als solche aufgewachsen. Brasilianische Wurzeln gibt es in meiner Familie, die für mich zwar nur indirekt wirken, aber stets eine Tür offengehalten haben – zu einer größeren Welt, zu mehr Offenheit und einer neugierigeren Sicht. Dieses „genauer Hinsehen“ prägt mein Schreiben: hinter die Fassaden blicken, nicht beim ersten Eindruck stehen bleiben.
In den letzten Jahren hat mich zudem die koreanische Kultur und Sprache inspiriert und tief geprägt. Ihre Erzählweise – mit Raum für Intuition, Bilder, leise Zwischentöne – hat mich ermutigt, meiner eigenen Stimme zu vertrauen. Sie steht dieser ruhigen, atmosphärischen Art des Erzählens näher als der westlichen Tradition mit ihrem oft schnellen Rhythmus und dem Drang nach unmittelbarer Auflösung.
Früher hätte mich meine westliche Tradition verunsichert, hätte mich zweifeln lassen, ob mein Erzählen „funktioniert“. Heute weiß ich: Der Versuch, in westlicher Manier zu schreiben, wäre für mich eine glatte, aber gekünstelte Rolle gewesen. Kein Wunder, dass ich mich damals noch nicht gewagt habe.
Inzwischen habe ich gelernt, mir zu erlauben, die Stille, die Pausen, die langen Blicke und das Ungesagte bewusst zu nutzen – als Resonanzräume, in denen Leserinnen und Leser ihre eigenen Gefühle und Fragen einschreiben können. Diese Leerstellen bleiben nicht leer, sie klingen nach. Besonders dort, wo Themen wie Trauer, Zweifel, Identität und Schuld ihren Platz finden.
Heute schreibe ich in meinem eigenen Rhythmus. Verwurzelt in meiner Herkunft. Geöffnet durch andere Kulturen. Getragen von der Freiheit, Pausen und Zwischentönen ebenso viel Raum zu geben wie den Worten – und der Natur, die wie eine stille Mitspielerin ihre eigene Stimme erhebt.
Meine Geschichten entstehen aus der Verbindung von Recherche und Imagination. Sie greifen historische Spuren auf, doch Figuren und Details sind fiktionalisiert, um die erzählerische Freiheit zu bewahren.
Und was mache ich sonst so?
Romane habe ich bisher keine veröffentlicht – aber mit Sprache arbeite ich schon lange.
Ich bin seit Jahrzehnten Redakteurin in Text und Bild, und ursprünglich komme ich aus der Psychologie.
Wörter sind mein Handwerk, mein Spielraum, mein Zuhause.
Warum (noch) kein Verlag?
Ich erzähle die Geschichte meiner Familie –
sechs Generationen, über zwei Jahrhunderte hinweg.
Die siebte Generation lebt noch. Hochbetagt.
Und ich wollte, dass sie diese Bücher in den Händen halten.
Nicht irgendwann. Sondern jetzt.
Darum habe ich keine Zeit in Verlagssuche gesteckt.
Ich habe geschrieben. Mit aller Kraft.
Mit allem, was ich hatte.
Die ersten beiden Bände erscheinen noch 2025.
Jetzt arbeite ich am dritten – und es wäre mein größter Wunsch, dass meine Mutter und meine letzte noch lebende Tante der brasilianischen Linie
ihn noch lesen können.
Ein Verlag?
Vielleicht später.
Diese Bücher sind zuerst für die,
die am nächsten dran waren.
Für die, die noch da sind.
Für die, die wir nicht vergessen.

Projekt-Tagebuch: Die Reise zu meinen Ahninnen
Ein literarisches Logbuch von Noa Moreira
Vorwort
Manchmal beginnt eine Geschichte nicht mit dem ersten Satz, sondern Jahrzehnte davor – in einem Moment, in dem sie sich in unser Leben setzt und geduldig wartet. Dieses Tagebuch ist der Weg von der ersten Ahnung bis zum letzten Punkt hinter Santa Delfina. Kein geradliniger Weg, sondern ein mäandernder Fluss aus Recherche, Zufällen, Abschieden, Dringlichkeit – und diesem sonderbaren, schönen Zustand, wenn Geschichte und Gegenwart ineinander übergehen.
