Extras / Kulinarisches Logbuch

  • Empadão - Pastete
Foto, 1920er Jahre. In warmem Sepia blickt eine junge Frau mit ruhiger Entschlossenheit in die Kamera.

Empadão 

Holen dir den Glanz von Barbacena auf den Tisch.

Hier ist das Rezept für das festliche Empadão, wie Bibiana es liebte:

Das Küchenfeuer knisterte behutsam, als wollte es die Stimmen darin wärmen. Der Rauch roch nach Brennholz und Zitronenschalen, ein Hauch Nelke – die Reste eines Tees, den Marina vor einer Stunde aufgegossen hatte.

„Ein Empadão,“ sagte Ana nachdenklich und strich über den Tisch, als sähe sie die goldgelbe Pastete bereits vor sich. „Mit Huhn, hartgekochten Eiern und dieser Kruste, die unter der Gabel nachgibt wie ein Versprechen.“

(Aus "Santa Delfina: Die Nachkommen")

Zutaten (für eine große Form)


Der Teig (Massa Podre):

500g Mehl,

250g kalte Butter (oder Schweineschmalz, wie auf der Fazenda),

2 Eigelb,

eine Prise Salz und

ein Schluck eiskaltes Wasser.


Die Füllung:

600g Hähnchenbrust (gekocht und zerzupft),

1 Zwiebel,

2 Knoblauchzehen,

eine Handvoll (grüne) Oliven (entsteint),

3 hartgekochte Eier (in Scheiben).

Optional einen Hauch Petersilie oder Frühlingszwiebel.


Die Bindung:

Ein Schuss Hühnerbrühe und

etwas Tomatenmark für die Farbe.


Das Gold:

1 Eigelb zum Bestreichen.

Zubereitung


Der mürbe Boden:

Knete Mehl, Butter und Salz rasch zu einem Teig. Er darf nicht zu warm werden – behandle ihn kühl wie den Morgen am Rio Preto. Lass ihn im Schatten (oder Kühlschrank) ruhen.


Die Füllung bereiten:

Brate Zwiebeln und Knoblauch an, gib das zerzupfte Huhn und die Oliven dazu. Lösche mit etwas Brühe ab, bis eine saftige, aber nicht flüssige Masse entsteht. Ziehe die Pfanne vom Feuer. Heben – wenn du magst – zum Schluss etwas Petersilie und Frühlingszwiebel unter. Sie erinnern an den Garten hinter dem Haus und bringen Frische in die Tiefe.


Das Schichten:

Kleide eine Form mit zwei Dritteln des Teigs aus. Gib die Hühnermischung hinein und lege die Eierscheiben wie kleine Sonnen darauf.

Egal ob mit Fleisch oder vegetarisch: Achte darauf, dass die Füllung gut abgekühlt ist, bevor sie auf den Teig kommt. So bleibt der Boden knusprig und „weicht nicht auf“, während er im Ofen sein Aroma entfaltet.


Das Versprechen schließen:

Rolle den restlichen Teig aus und decke die Pastete zu. Drücke die Ränder fest – sie halten die Wärme und den Geschmack im Inneren gefangen.


Das Backen:

Bestreiche die Kruste mit Eigelb. Backe das Empadão bei 180°C (etwa 40-45 Minuten, je nach Formhöhe), bis die Kruste goldgelb ist und beim Klopfen fest klingt.

Randnotiz:

Zur Herkunft des Empadão

„Empada“ kommt von „in Brot eingepackt“.

Der Empadão hat seine Wurzeln in den großen, gefüllten Pasteten der iberischen Küche. In Portugal waren solche pastelões bereits im Mittelalter verbreitet: reich gefüllt, von einer mürben Kruste umschlossen und dazu gedacht, viele zu sättigen.

Mit den portugiesischen Kolonisten gelangte diese Form der Küche nach Brasilien und wandelte sich dort. Aus den kleinen empadas der Städte und Bäckereien entstand der Empadão als Familiengericht: größer, fülliger, festlicher. In Regionen wie Minas Gerais wurde er zum festen Bestandteil von Sonntagen und besonderen Anlässen.

Die typische brasilianische Variante mit Huhn, Ei und Oliven verbindet europäische Backtradition mit lokalen Zutaten und der häuslichen Küche der Fazendas – ein Gericht, das nicht für Eile gemacht ist, sondern für den gemeinsamen Tisch.

Für Genießer*innen von heute:

fleischlos, vegan und glutenfrei

In den Küchen von Santa Delfina und Barbacena wurde gekocht, was das Land, der Garten und die Jahreszeiten schenkten. Doch Gastfreundschaft kennt keine festen Regeln – sie passt sich dem Herzen derer an, die am Tisch sitzen. Damit die Düfte Brasiliens in jeder Küche einziehen können, findest du hier die Schlüssel, um die historischen Rezepte behutsam zu verwandeln:


Vegetarisch & vegan:

Das Geheimnis des Empadão liegt in der Saftigkeit der Füllung. Wenn du auf das Huhn verzichtest, hast du wunderbare Alternativen:

Die herzhafte Variante:
Ersetze das Huhn durch eine Mischung aus Palmitos (Palmenherzen), Erbsen und Mais. Die Palmitos geben der Pastete eine edle, fast butterweiche Textur. Auch fein gewürfelter, geräucherter Tofu oder angebratene Champignons bringen die nötige Tiefe.


Der vegane Mürbeteig:
Verwende statt Butter eine hochwertige pflanzliche Margarine oder festes Kokosfett (geschmacksneutral). Achte darauf, dass das Fett eiskalt ist, damit der Teig so mürbe bleibt wie der Boden des Sertão.


Das goldene Finish:
Bestreiche die Kruste statt mit Eigelb einfach mit etwas Pflanzendrink oder einer Mischung aus Olivenöl und Kurkuma. So glänzt sie auch ohne Ei wie die Abendsonne über Rio.

Für Menschen mit Glutenunverträglichkeit:

Ein mürber Teig ohne Weizen ist eine kleine Kunst, aber mit der richtigen Mischung gelingt er wunderbar.


Die glutenfreie Verpackung:
Ersetze das Weizenmehl durch eine Mischung aus Reismehl und etwas Maniokstärke (Polvilho Doce). Damit der Teig nicht zerbröckelt, hilft ein Ei mehr oder ein Teelöffel Flohsamenschalen als Bindemittel.


Die Textur:
Da glutenfreier Teig oft etwas empfindlicher ist, drücke ihn am besten direkt mit den Fingern in die Form, anstatt ihn groß auszurollen. Das verleiht der Pastete eine besonders rustikale, handgemachte Note.