Extras / Kulinarisches Logbuch

  • Maisbrot mit Rosmarin
Foto, 1920er Jahre. In warmem Sepia blickt eine junge Frau mit ruhiger Entschlossenheit in die Kamera.

Maisbrot mit Rosmarin

In der Küche von Minas Gerais ist die schwarze Bohne das Fundament.

Doch je nachdem, wie sie den Topf verlässt, erzählt sie eine andere Geschichte.

José Martinho aß im kühlen Schatten, das Leinenhemd lose über die Schultern geworfen. In seiner Hand hielt er ein Glas mit kühlem, blassgrünem Guavensaft, der die Kühle der Vorratskammer noch bewahrt hatte. Auf dem niedrigen Tisch zwischen ihnen stand ein Teller mit dicken, warmen Maisbrotschnitten, dazu ein Stück fester Käse und ein wenig Trockenfleisch.

(Aus "Petrópolis: Die Saga geht weiter")

Maisbrot mit Rosmarin (Broa de Milho)

Ein goldgelber Schatz, der die Sonne des Sertão auf den Tisch bringt.

Außen knusprig, innen kompakt und herrlich aromatisch.

Zutaten


Das Mehl:

250g feines Maismehl (Fubá) und 250g Weizenmehl (Type 550).


Die Hefe:

1 Päckchen Trockenhefe oder ½ Würfel frische Hefe.


Die Flüssigkeit:

300ml lauwarmes Wasser und 2 EL Olivenöl oder Schmalz.


Der Duft:

 1 EL frischer, fein gehackter Rosmarin und 1 TL Salz.

Zubereitung


Das Vermengen:

Mische die Mehlsorten mit dem Salz und dem Rosmarin. Löse die Hefe im warmen Wasser auf und gib sie mit dem Fett zum Mehl.


Das Kneten:

Knete den Teig, bis er geschmeidig wird. Maismehl ist eigenwillig – gib ihm Zeit. Lass den Teig an einem warmen Ort ruhen, bis er seine Größe fast verdoppelt hat.


Das Formen:

Forme kleine, runde Laibe (Broas) und ritze sie oben leicht ein.


Das Backen:

Backe sie bei 200°C etwa 25–30 Minuten, bis sie hohl klingen, wenn du leicht auf den Boden klopfst.

Für Genießer*innen von heute:

vegan und glutenfrei

Vegan:

Verwende Öl statt Schmalz – das Maisbrot liebt die Reinheit des Pflanzenöls.


Glutenfrei:

Ersetze das Weizenmehl durch eine glutenfreie Backmischung oder eine Kombination aus Reismehl und Stärke. Gib einen Teelöffel Flohsamenschalen dazu, damit das Brot nicht zerbröselt.

Randnotiz:

Die Geschichte des Mais in Brasilien

Indigene Wurzeln:

Schon lange vor der Ankunft der Europäer kultivierten indigene Völker wie die Tupi-Guarani Mais (indigen: Abati) im gesamten Amazonasgebiet und an der Küste. Für sie war er weit mehr als Nahrung; Mais galt als heiliges Geschenk der Götter und war tief in ihren Mythen und Ritualen verwurzelt.


Koloniale Fusion:

Mit der Ankunft der Portugiesen im 16. Jahrhundert verschmolzen europäische Backtraditionen mit dem lokalen Getreide. Da Weizen im tropischen Klima Brasiliens schlecht gedieh, lernten die Siedler von den Indigenen den Umgang mit Fubá (Maismehl). So entstanden Klassiker wie das Broa de Milho, eine portugiesische Brotform, die in Brasilien mit Mais „neu erfunden“ wurde.

Mais ist das Herzstück vieler brasilianischer Feste. Beispielsweise auch das Canjica - Ein süßer Pudding aus weißen Maiskörnern


Wirtschaftlicher Motor:

In der Kolonialzeit diente Mais vor allem der Selbstversorgung der Bevölkerung und der Ernährung von Arbeitern auf den Zuckerrohrplantagen. Heute ist Brasilien nach den USA und China der drittgrößte Produzent weltweit und ein Gigant im Export.